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POELLATH Infrastructure 2026 – die wichtigsten Updates

Im Rahmen des diesjährigen Global Infrastructure Summit in Berlin lud POELLATH am 24. März zum „Infrastructure 2026“-Event ein. In drei inhaltlich aufeinander aufbauenden Panels diskutierten POELLATH-Expertinnen und -Experten gemeinsam mit externen Gästen aus Politik, Fondsmanagement, Finanzierung und Projektentwicklung die zentralen Herausforderungen für Infrastrukturinvestments in Deutschland.

Im Mittelpunkt stand weniger die Diagnose – der Investitionsstau ist unbestritten – als vielmehr die Frage, warum trotz Sondervermögen, Deutschlandfonds und wachsender Investorennachfrage weiterhin zu wenige investierbare Projekte entstehen. Die Diskussionen machten deutlich: Das Problem liegt nicht beim Kapital, sondern bei Struktur, Regulierung und Umsetzung.

Warum öffentliche Fördertöpfe allein nicht ausreichen

Moderiert von Dr. Peter Bujotzek und Amos Veith (beide POELLATH) diskutierten Thomas Alberghina (KfW IPEX Bank), Martin Ewald (Climate Action / SCALED) und Verena Kempe (KENFO) die politischen und strukturellen Rahmenbedingungen für Infrastrukturinvestments in Deutschland.

Ein zentrales Ergebnis: Die Ankündigung hoher öffentlicher Mittel – etwa durch das Infrastruktur-Sondervermögen – führt nicht automatisch zu mehr investierbaren Projekten. Große Teile der Mittel werden kameralistisch eingesetzt und ersetzen bestehende Haushaltspositionen, statt zusätzliche Investitionen auszulösen. Der faktische Effekt ist ein Verschiebebahnhof zwischen Kernhaushalt und Sondervermögen – nicht jedoch der Aufbau eines neuen Marktes für private Investoren.

Co-Investitionen scheitern weniger am Geld als an der Projektstruktur

Diskutiert wurde intensiv, warum öffentlich private Partnerschaften (ÖPP) in Deutschland kaum noch eine Rolle spielen. Während ÖPP international ein etabliertes Instrument zur Hebelung privaten Kapitals sind, gibt es auf Bundesebene seit Jahren faktisch keine neuen Projekte. Ursachen sind weniger rechtliche Unmöglichkeiten als politische Zurückhaltung, föderale Komplexität und eine anhaltende Skepsis gegenüber privaten Renditen in öffentlicher Infrastruktur.

Dabei wurde betont: ÖPP bedeutet keine Privatisierung. Eigentum und Verantwortung verbleiben bei der öffentlichen Hand, während private Akteure Bau, Betrieb und Risikomanagement übernehmen. Gerade das Lebenszyklusmodell – die gemeinsame Betrachtung von Bau und Betrieb – wurde als wesentlicher Effizienzvorteil gegenüber der klassischen Beschaffung hervorgehoben.

Vergaberecht und politische Zielkonflikte bremsen Skalierung

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf den aktuellen gesetzgeberischen Initiativen, insbesondere dem Infrastruktur-Zukunftsgesetz und dem Vergabebeschleunigungsgesetz. Zwar gehen diese grundsätzlich in die richtige Richtung, gleichzeitig zeigen sie jedoch, wie sehr Deutschland weiterhin in altbekannten Zielkonflikten verharrt – etwa zwischen Beschleunigung und Verbandsklagerechten oder zwischen Fachlosvergabe und der wirtschaftlichen Umsetzung großvolumiger Projekte.

Die bevorzugte Fachlosvergabe erschwert insbesondere große ÖPP-Projekte, da sie Bauvorhaben stark fragmentiert und zeitlich verlängert. Für Investoren und Finanzierer fehlt damit häufig die Möglichkeit, Risiken effizient zu bündeln und Projekte wirtschaftlich zu strukturieren.

Projektpipeline schlägt Förderkulisse

Ein wiederkehrendes Fazit des Panels war, dass die eigentliche Herausforderung nicht die Finanzierung, sondern die Projektentwicklung ist. Investierbarkeit entsteht durch klar abgegrenzte Projekte mit belastbaren Projektrechten, Genehmigungen und Governance-Strukturen. Finanzierung folgt am Ende – nicht am Anfang.

Internationale Erfahrungen zeigen, dass dort, wo eine kontinuierliche Projektpipeline, Standardisierung und institutionelle Erfahrung vorhanden sind, privates Kapital zuverlässig mobilisiert werden kann.

Fonds als Schlüssel zur Mobilisierung privaten Kapitals

Zentrales Thema des zweiten Panels war die Rolle von Infrastrukturfonds. Für die große Mehrheit institutioneller Anleger sind Fonds das entscheidende Vehikel, um Infrastrukturinvestments umzusetzen – sie bündeln Kapital, Know how und Risikomanagement.

Moderiert von Ronald Buge und Dr. Jens Steinmüller (beide POELLATH) diskutierten Dr. Sofia Harrschar (Palladio) und Frank Dornseifer (BAI), welche regulatorischen und steuerlichen Stellschrauben institutionelles Kapital in größerem Maßstab in deutsche Infrastruktur lenken können. Deutschland hat hier regulatorisch aufgeholt: Das Standortfördergesetz, Anpassungen im Investmentsteuerrecht und die Einführung einer Infrastrukturquote werden grundsätzlich als Schritte in die richtige Richtung bewertet.

Gleichzeitig bestehen weiterhin Unsicherheiten – insbesondere bei der steuerlichen Behandlung gewerblicher Einkünfte, bei steuerbefreiten Investoren sowie bei der konkreten Ausgestaltung der Infrastrukturquote mangels finaler BaFin-Leitlinien. Für Fondsmanager bleibt entscheidend, ob regulatorische Klarheit über die gesamte Laufzeit eines Investments besteht.

Steuerliche Rahmenbedingungen als entscheidender Investitionsfaktor

Im steuerlichen Teil wurde deutlich: Investitionen über Personengesellschaften bringen häufig zusätzliche Steuer- und Erklärungspflichten mit sich, die viele Anleger vermeiden möchten – insbesondere ausländische Investoren, aber auch bestimmte steuerbefreite inländische Gruppen. Investmentfonds können hier entlasten, da sie die Besteuerung auf Fondsebene bündeln und Ausschüttungen administrativ vereinfachen.

Problematisch bleibt jedoch, dass Spezial-Investmentfonds bei Investitionen in gewerbliche Personengesellschaften steuerlich nicht immer vollständig entlastet werden. Das betrifft vor allem Pensionskassen und Versorgungswerke, die einen wesentlichen Teil des deutschen Altersvorsorgekapitals stellen. Für diese Anleger ist das derzeit kein klares Investitionssignal.

Die Folge ist widersprüchlich: Statt Strukturen zu vereinfachen, entstehen zusätzliche Zwischenvehikel, die Kosten erhöhen und die Mobilisierung privaten Kapitals für Infrastruktur erschweren.

Chancen und Risiken bei Investitionen in Strom, Wärme und Speichertechnologien

Im dritten Panel, dem transaktionalen Teil der Veranstaltung, wurde am Beispiel von Energie-, Speicher- und Netzprojekten deutlich, wo Infrastrukturinvestments in der Praxis scheitern – und wie sie investierbar gemacht werden können. Jens Hörmann, Alexander Pfefferler (beide POELLATH) und Dr. Max Peiffer (AssmannPeiffer Rechtsanwälte) diskutierten praxisnah, welche Cashflow-Logiken heute hinter Erzeugung, Wärme und Speichern stehen und welche Risiken deal-kritisch sind, weil sie Finanzierung, Renditeprofil oder Exit-Fähigkeit unmittelbar beeinflussen.

Klassische Erneuerbare‑Energien‑Projekte profitieren weiterhin von etablierten Förder‑ und Netzanschlussregimen, geraten jedoch durch neue regulatorische Eingriffe – etwa bei der Erlösabschöpfung – unter Anpassungsdruck.

EEG Cashflows: Sicherheit bleibt, Upside wird begrenzt

Bislang sichern EEG Ausschreibungen über den anzulegenden Wert stabile Einnahmen: Liegt der Marktpreis darunter, gleicht die Marktprämie die Differenz aus. Ab dem 1. Januar 2027 ändert sich das System: Übererlöse werden abgeschöpft. Wer am Markt mehr erzielt als den anzulegenden Wert, muss den Mehrbetrag abführen.

Für Investoren wird das zur Grundsatzentscheidung: Im EEG System bleiben (abgesicherte Downside, begrenzte Upside) oder außerhalb investieren (volle Upside, aber kein Schutz bei niedrigen Preisen).

Risiko folgt der Projektphase

Das Panel ordnet die Risiken sauber entlang der Phasen ein: Entwicklung – Bau – Betrieb. Bei Wind und PV steigen Investoren meist erst nach zentralen Meilensteinen ein (Genehmigungen, Ausschreibung, Flächen, Netzanschluss). Bei Speichern ist das aufgrund längerer Entwicklung, weniger Standardisierung und schwieriger Netzanschlüsse anders. Investoren steigen hier oft früher ein – mit höheren Renditechancen, aber auch höherem Entwicklungs- und Marktrisiko.

Portfolio statt Einzelprojekt

Wind, PV und Speicher ergänzen sich strukturell: Niedrige PV-Preise sind vorteilhaft für Speicher, Wind und Sonne gleichen sich saisonal aus. Das spricht für Portfolioansätze, die Cashflows stabilisieren – genau das, was institutionelle Investoren suchen.

Für Entwicklungsportfolios gilt zudem: Erfolg ist nicht binär. Wenn aus zehn Projekten vier realisiert werden, können Entwicklungskosten gedeckt und Renditen erzielt werden. Pipeline-Qualität und Realisierungsquote sind damit zentrale Due-Diligence-Kriterien.

Ein zentrales Fazit aus dem Panel: Zukunftsfähige Infrastrukturinvestments setzen auf Portfolioansätze, frühe Risikostrukturierung und eine vertragliche Absicherung entlang des gesamten Lebenszyklus.

Ohne Struktur keine Transformation

Die Veranstaltung hat gezeigt: Kapital ist vorhanden. Entscheidend ist, ob Politik, Regulierung und Projektstrukturierung so zusammenspielen, dass privates Kapital seine Wirkung entfalten kann. Gefragt sind belastbare Klarstellungen, standardisierte Fonds- und Projektstrukturen sowie ein regulatorisches Umfeld, das Planungssicherheit über die gesamte Laufzeit ermöglicht. Ohne investierbare Projekte bleibt jedes Sondervermögen wirkungslos.

Fazit

  • Investierbarkeit entsteht vor der Finanzierung. Frühzeitige Projektstrukturierung, klare Governance und belastbare Projektrechte sind entscheidend.
  • Fonds- und Portfolioansätze gewinnen weiter an Bedeutung. Einzelassets verlieren gegenüber skalierbaren, risikoausgeglichenen Strukturen an Attraktivität.
  • Regulatorik und Steuern sind keine Nebenfragen, sondern zentrale Werttreiber – insbesondere für institutionelle und steuerbefreite Investoren.
  • Netzanschluss, Erlösregime und Vertragsstruktur sind heute entscheidende Deal-Hebel – nicht die Technologie allein.
Authors: Ronald Buge, Dr. Peter Bujotzek, Jens Hörmann, Dr. Jens Steinmüller, Amos Veith, Alexander Pfefferler