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Private Markets-Fonds: So bauen Anleger ein professionelles Portfolio auf

Investitionen in Private Markets-Fonds erfordern weit mehr als die Auswahl eines geeigneten Fondsmanagers. Um sich vor Überraschungen zu schützen, sollte jede Beteiligung vorab steuerlich und zumindest kursorisch rechtlich geprüft werden. Mit jeder zusätzlichen Beteiligung steigen zudem die Anforderungen an die steuerliche Compliance, Fondsadministration und Liquiditätsplanung. Sebastian Louppen von VION Asset Management und POELLATH Investment Funds-Partner Dr. Stephan Schade ordnen ein, wie private Anleger, Family Offices und institutionelle Investoren ein belastbares Private Markets-Portfolio aufbauen.

Was ist vor der Zeichnung eines Private Markets-Fonds wichtig?

Eine Fondsbeteiligung bindet Anleger meist über viele Jahre. Vor der Zeichnung sollten sie daher nicht nur Investmentstrategie, Team und wirtschaftliche Konditionen prüfen. Ebenso wichtig sind rechtliche, steuerliche und administrative Rahmenbedingungen. Bei ausländischen Fonds ist frühzeitig zu klären, wie das Vehikel steuerlich einzuordnen ist. Bei transparenten Personengesellschaften werden Erträge grundsätzlich den Anlegern zugerechnet. Sie benötigen deshalb vollständige und rechtzeitig verfügbare Steuerinformationen. Zudem können ausländische Steuererklärungspflichten entstehen. Bieten Fondsmanager verschiedene Zugangsstrukturen an, sollten Anleger deren steuerliche Folgen vergleichen.

Rechtlich sind insbesondere Schlüsselpersonenregelungen, Fault- und No-Fault-Rechte sowie deren Voraussetzungen, Mehrheiten, Kosten und praktische Durchsetzbarkeit wichtig. Auch wirtschaftliche Regelungen sollten im Detail geprüft werden, etwa ein belastbarer Clawback für überzahlten Carried Interest. Bei all diesen Regelungen gibt es Stellschrauben, die die Effektivität für Anleger einschränken können. Anlegerspezifische Steuer-, Reporting- und Übertragungsrechte können im Side Letter abgesichert werden. Relevant sind zudem Most-Favoured-Nation-Regelungen, die Anlegern unter bestimmten Voraussetzungen die Wahl günstigerer Rechte aus anderen Side Letters ermöglichen.

Wie gelingt eine professionelle Fondsadministration?

Mit der Anzahl der Fondsbeteiligungen wächst der operative Aufwand. Anleger sollten deshalb schon vor der Zeichnung prüfen, wie Kapitalabrufe, Ausschüttungen, Berichte und Steuerunterlagen bereitgestellt werden. Wichtige Fragen sind: Mit welcher Frist kündigt der Fondsmanager Kapitalabrufe an? Erfolgen Mitteilungen per E-Mail oder über ein Investorenportal? Erfüllen Quartals- und Jahresberichte die Anforderungen des Anlegers und seines Steuerberaters? Stehen bei Bedarf Informationen auf Ebene der Portfoliounternehmen zur Verfügung? Sind feste Ansprechpartner benannt?

In der Praxis helfen ein zentrales Funktionspostfach, klare Vertretungs- und Zahlungsbefugnisse, ein Steuerkalender sowie eine einheitliche Dokumentenablage. Zugänge zu Investorenportalen sollten zentral verwaltet werden. Änderungen von Bankverbindungen müssen Anleger unabhängig von der eingegangenen Nachricht über eine bekannte Kontaktperson und bereits verifizierte Kontaktdaten bestätigen lassen.

Wie lassen sich Kapitalabrufe und Liquidität steuern?

Ein Commitment ist eine langfristige Zahlungsverpflichtung gegenüber dem Fonds. Das zugesagte Kapital wird während der Fondslaufzeit nach Bedarf abgerufen. Bei mehreren Fonds können Kapitalabrufe zeitlich zusammenfallen. Zugleich lassen sich Zeitpunkt und Höhe von Ausschüttungen nur begrenzt planen. Eine belastbare Liquiditätsplanung berücksichtigt eingezahltes Kapital, offene Commitments, erwartete Ausschüttungen und erneut abrufbare Rückzahlungen. Neben einem Basisszenario empfiehlt sich ein Stressszenario mit früheren oder höheren Abrufen und späteren Rückflüssen. Eine ausreichende Liquiditätsreserve reduziert das Risiko, Beteiligungen unter Zeitdruck am Sekundärmarkt veräußern zu müssen.

Auch Ausschüttungen erfordern eine genaue Prüfung. Anleger sollten klären, ob Kapital oder Erträge zurückgezahlt werden, ob Steuern einbehalten wurden, welche Gebühren abgezogen wurden und ob Beträge erneut abrufbar sind. Die wirtschaftliche Bezeichnung von Ausschüttungen eines Fonds entspricht dabei nicht zwingend der deutschen steuerlichen Einordnung.

Wann besteht während der Fondslaufzeit Handlungsbedarf?

Auch während der Fondslaufzeit stellen Fonds ihre Anleger vor Entscheidungen, insbesondere über Gesellschafterbeschlüsse. Nicht jeder Gesellschafterbeschluss erfordert eine umfassende rechtliche Analyse. Besondere Aufmerksamkeit verdienen jedoch Änderungen des Gesellschaftsvertrags, Laufzeitverlängerungen, Änderungen der Investitionsperiode, Restrukturierungen und Geschäfte des Fonds mit verbundenen Unternehmen des Fondsmanagers. Auch Co-Investments und Continuation Funds verlangen eine eigenständige Prüfung. Co-Investments ermöglichen zusätzliche Beteiligungen an einzelnen Portfoliounternehmen und können die durchschnittliche Gebührenbelastung reduzieren. Sie erhöhen jedoch das Konzentrationsrisiko und erfordern häufig Entscheidungen unter hohem Zeitdruck.

Bei einem Continuation Fund überträgt der Fondsmanager Beteiligungen aus einem bestehenden Fonds auf ein neues Vehikel. Da der Manager auf beiden Seiten der Transaktion tätig wird, entstehen Interessenkonflikte. Anleger sollten daher Bewertung, Konditionen, Gebühren und ihre Wahl zwischen Auszahlung und Fortführung des Investments sorgfältig prüfen.

Wie entsteht ein diversifiziertes Private Markets-Portfolio?

Der strategische Portfolioaufbau beginnt mit einer Zielallokation. Anleger sollten festlegen, wie viel Kapital sie über welchen Zeitraum in verschiedene Private Markets-Anlageklassen investieren möchten. Diversifikation entsteht nicht allein durch eine größere Zahl von Fonds. Entscheidend ist die Verteilung über Fondsmanager, Strategien, Regionen, Branchen, Währungen und Investitionsjahre. Für die laufende Steuerung sollten Anleger Kennzahlen zu Ausschüttungen, verbleibendem Wert und zeitabhängiger Rendite gemeinsam betrachten und auf Portfolioebene aggregieren. Maßgeblich sind dabei die Nettowerte nach Gebühren und Kosten. Neue Commitments müssen zu bestehenden Zahlungsverpflichtungen und erwarteten Rückflüssen passen.

Die zentralen Aspekte im Überblick

  • Vor der Zeichnung: steuerliche Einordnung, Steuerinformationen, mögliche ausländische Erklärungspflichten, Zugangsstrukturen, Anlegerrechte und ggf. Side Letter-Verhandlungen
  • Administration: Kapitalabrufe, Ausschüttungen, Reporting, Investorenportale, Zuständigkeiten, Steuerkalender und Dokumentenmanagement
  • Liquiditätsmanagement: offene Commitments, Kapitalabrufe, Ausschüttungen, wieder abrufbare Rückzahlungen in Basis- und Stressszenarien betrachten sowie eine Liquiditätsreserve bilden
  • Entscheidungen während der Laufzeit: Vertragsänderungen, Verlängerungen der Laufzeit oder Investitionsperiode, Restrukturierungen und Transaktionen mit dem Fondsmanager und verbundenen Unternehmen stets prüfen
  • Co-Investments und Continuation Funds: eigene Investitionsentscheidungen mit Chancen und Risiken
  • Portfoliosteuerung: Zielallokation festlegen, Diversifikation durch Fondsauswahl steuern, Performance überwachen und neue Commitments mit der Liquiditätsplanung abstimmen

Fazit

Ein professionelles Private Markets-Portfolio entsteht durch das Zusammenspiel von Fondsauswahl, rechtlicher und steuerlicher Prüfung, verlässlicher Fondsadministration und vorausschauender Liquiditätsplanung. Wer Zuständigkeiten, Daten und Prozesse früh strukturiert, kann Risiken besser steuern und weitere Commitments auf einer belastbaren Grundlage planen.
 

Autoren: Dr. Stephan Schade